Das Horror-Adventure Detention wagt eine düstere Exkursion ins Taiwan der sechziger Jahre: Finstere Flure, gesellschaftlicher Horror und keuchende Geister prägen das Abenteuer, in dem der Spieler in immer wilderen und blutigeren Visionen versinkt. Eine gelungene Interpretation von Silent Hill & Co?
Im Mittelpunkt stehen hier die Rätsel. Der Touchscreen kommt auch im mobilen Modus nicht zum Einsatz, stattdessen steuere ich stets mit dem Controller. Sobald auf meinen Erkundungstouren ein entsprechendes Hotspot-Symbol aufleuchtet, untersuche ich das entsprechende Objekt per Knopfdruck. Schade, dass es keine wirklich kniffligen Puzzles gibt und innerhalb des Inventars kein Kombinieren möglich ist. Komplexere Basteleien werden also von vornherein ausgeschlossen. Stattdessen geht es meist darum, gefundene Gegenstände zu den passenden Opferstellen zu bringen, was sich aufgrund des exotischen Themas aber trotzdem als unterhaltsam entpuppt. Sobald ich ein altertümliches Schwert zu einer Statue gebracht oder ein paar Geldscheine im Ofen geopfert habe, entfesselt sich auch schon die nächste bizarr präsentierte Erinnerung.
Diese Artefakte und das Abdriften in immer surrealere Szenarien erzeugen eine angenehme Grundspannung, auch wenn es nie richtig gruselig wird und es kaum zu Schockmomenten kommt. Je länger ich spielte, desto gespannter war ich auf weitere Hintergründe der Mythologie, des Regimes und die dunklen privaten Geschichten an der Schule. Die Rätsel verknüpfen dabei die Erinnerungsfäden und schrecken auch nicht vor expliziter Gewalt zurück. Ich möchte nicht zu viel verraten, aber wenn man ein Messer gefunden hat, kann es passieren, dass damit nicht nur Seile, sondern auch Kehlen durchtrennt werden. Das mit einer Schale aufgefangene Blut hilft einem aber immerhin dabei weiter, anderswo eine eingeritzte Nachricht sichtbar zu machen. Gelegentlich müssen auch einsteigerfreundliche Zahlenschloss-Rätsel geknackt werden. Die Hinweise auf die passende Kombination sind meist in der näheren Umgebung versteckt.
Zu Beginn schreckte mich die schlichte Präsentation des Spiels ab: Manche Gänge und Klassenräume ähneln sich stark, die Animationen der Figuren wirken reichlich hölzern und langen Ladezeiten bei Raumwechseln strapazieren die Geduld. Und trotz gezeichneter Grafik mit nur wenig räumlicher Tiefe muss man in der Switch-Umsetzung mit leichtem aber dauerhaftem Ruckeln leben. Als ich mich erst einmal an die Mankos der schroffen Präsentation gewöhnt hatte, zog mich das exotische Szenario aber immer stärker ins Spiel. Die Ruinen der ehemaligen japanischen Besatzer etwa haben auf Anhieb meine Neugier geweckt. Auch der Klangteppich trägt viel zur Atmosphäre bei. Dabei handelt es sich nur selten um klar definierbare Melodien, sondern eher um ein experimentelles Zusammenspiel aus tiefen, unheilvollen Noten, die von metallisch kreischenden Spitzen und Foltergeräuschen durchschnitten werden. Schade ist allerdings, dass der Erkundungstrip schon nach gut drei Stunden vorbei ist und zum Schluss immer weniger Puzzles bietet.