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FIFA 12 (Sport) – FIFA 12

Seit zwei Jahren schneidet FIFA besser ab als Pro Evolution Soccer. Das lag nur zu einem kleinen Teil an den offiziellen Lizenzen oder der tollen Stadionkulisse: Es war vor allem das verbesserte Spielgefühl. David Rutter und sein Team leisteten so gute Arbeit, dass auch viele PES-Veteranen überzeugt wurden. Aber dem Kick aus Kanada fehlte trotz allem diese letzte Faszination, diese letzte Magie auf dem Platz. Wird aus einer sehr guten jetzt eine ausgezeichnete Fußballsimulation?

© EA Sports / Electronic Arts

Taktische Defensive



Falls dieser Test noch Fragen offen lässt: In unserem großen Fußballvergleich geht es in den vier Bereichen Präsentation, Umfang, Spielmechanik und Figurenverhalten inkl. Videos ans Eingemachte – von der Stadienzahl bis zur Flanke!

EA hat eine Schwäche der alten Spielmechanik überwunden: die Torpedo-Abwehr. Endlich wird das inflationär eingesetzte System aufgebrochen, das zu leicht für permanenten Doppeldruck auf den Angreifer sorgte. Die neue taktische Defensive verlangt mehr Übersicht und Planung, bevor man einen Ball erobern kann. Es reicht nicht mehr aus, stur einen Knopf zu halten, denn man muss mehrere Aktionen gezielt ausführen und das Spiel im Raum besser einschätzen: Begleiten, abschirmen, dann annähern und irgendwann im richtigen Moment zum Tackling ansetzen.

Schon diese Änderung führt zwangsläufig auch zu weniger Tempo im Feld – FIFA 12 fühlt sich langsamer an als der Vorgänger. Aber das ist zunächst kein Nachteil, denn die neue Defensive erhöht langfristig die situative Spannung in den Zweikämpfen –auch, wenn sie in den ersten Matches für einige unbeholfene Situationen sorgt. Wer mit der Routine aus FIFA 11 verteidigen will, wird sich wundern und viel Lehrgeld zahlen, weil er in den ersten Partien keinen Zugriff bekommt. Man fühlt sich vor allem gegen die fast zu fehlerfrei und damit steril spielende KI wie ein Opfer des FC Barcelona, das ohne Ballbesitz verhungert; dabei kickt man auf der vierten Stufe gerade mal gegen die Hertha.

Die ersten Stunden mit FIFA schreien nach Übung, um Zugriff zu bekommen, aber sie locken auch schon mit mehr Freiheit im Angriff. Wenn man zu früh oder zu spät die Tacklingtaste drückt, stolpern Verteidiger hilflos und werden locker umspielt – das sieht sogar authentisch aus, wenn es in der Nähe eines Dribblings passiert. Diese sind jetzt auch ohne spezielle Finten effizienter, denn der Ballführende hat mehr Zeit und Raum, kann die Kugel mit seinem Körper besser gegen ein Tackling abschirmen und sich dann präziser um die eigene Achse und den Gegner drehen. Wer es trickreicher mag, kann mit dem „Elastico-Chop“ und dem „Scoop Turn“ auch zwei neue Bewegungen einleiten.

Bessere Torhüter, weniger Biss

Die neue taktische Defensive bereichert das Spielerlebnis.

Die neue taktische Defensive bereichert das Spielerlebnis: Es ist nicht mehr so leicht, per Dauerpressing an den Ball zu kommen.

All das ist auch im Strafraum möglich, wo man sich öfter als bisher im Kleinklein durchsetzen und mit kurzen Pässen oder Soli bis zum Fünfmeterraum vordringen kann. Gut, dass EA auch das Problem dieser neuen Dribbelfreiheit erkannt hat: Es gibt wesentlich mehr Abschlüsse und 1-gegen-1-Situationen vor dem Kasten, also ist es umso lobenswerter, dass man gleichzeitig die Torhüter stärker gemacht hat, denn sie entschärfen mehr Bälle – sowohl im direkten Duell gegen einen Stürmer als auch bei Schlenzern aus der Distanz (Letztere sind übrigens etwas schwieriger mit Drall zu platzieren als bisher, dafür sind Volleys leichter). FIFA findet bei den meist souverän wirkenden Torhütern dennoch einen guten Mittelweg zwischen Halt- und Fehlerquote, denn auch sie lassen Bälle mal abprallen. Und damit schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe, indem man das Spielgefühl verbessert und die Balance sichert. So weit, so gut, so angenehm frisch.

Aber die neue Defensive hat auch ihre Tücken. Zum einen sind sie rein optischer Natur: Die Tacklings sehen manchmal unfreiwillig komisch aus, wenn z.B. ein defensiver Mittelfeldspieler ohne sichtbaren Angreifer in der Nähe stolpert, nur weil man aus Versehen zu früh gedrückt hat; da hätte man evtl. einen Automatismus einbauen können, der die Animation nur in Gegnernähe zulässt. Zum anderen sind sie inhaltlicher Natur und das wiegt schwerer: Man  vermisst sowohl beim neuen Abschirmen als auch dem Pressing über den zweiten Verteidiger etwas mehr Biss auf dem letzten Meter.  EA hat es mit dem passiven Beobachten genau so übertrieben wie Konami mit dem aktiven Tempowechsel. Dem lethargischen FIFA will man manchmal zurufen „Gib Gas, Junge!“, dem überdrehten PES will man empfehlen „Schalt einen Gang runter, Baby!“

  1. Alle die hier immer behaupten bei FIFA gäbe es keine Siegerehrungen! Ich lache euch aus!!!
    Die gibt es sehr wohl! Hab zwar bis jetzt nur die BL gespielt aber am Ende der Saison, in der ich Meister wurde, gab es eine Siegerehrung im Stadion bei der sogar die richtige Meisterschale von meinem Kapitän in die Höhe gehalten wurde. Mit Konfetti Regen und der kompletten Mannschaft dahinter...halt wie in echt.
    Also Klappe halten und ein Spiel erstmal spielen bevor ihr es kritisiert!

  2. Palace-of-Wisdom hat geschrieben: Meiner Meinung nach ist Ultimate Team wohl der tollste Onlinemode seit dem es Fußballspiele gibt. Wenn man vom Buy2win System mal absieht. Aber gerade wenn man Echtgeld involviert um den Gewinn pro Einheit zu maximieren, muss man doch noch mehr darauf schauen das die Sache läuft. Ich glaube wenn ich wirklich die Kreditkarte gezückt und Packs für Geld gekauft hätte, wäre ich vor Wut einfach explodiert.
    Trotzdem ist die Grundidee von FUT wohl einfach nur genial, gerade für Fußballfans. Wenn so ein Projekt dann so läuft wie im Moment, ist das einfach nur traurig.
    Das FUT ist an und für sich ein toller Modus, aber hier merkt man extrem das der eigentlich nur auf Real Geld aufgebaut ist.... Du hast hier wenig Möglichkeiten voranzukommen.... Entweder du bist ein Tradegigant der grad Anfangs irgendwelche Superdeals im "Auktionshaus" getroffen hat - sprich billig eingekauft teuer verkauft - ooooder ein richtiger Skiller der sämtliche Turniere locker gewinnt (wobei das momentan auch nicht viel bringt bei dem lächerlichen Finalbonus), oder ein wirklicher Lucker der in paar wenigen Packs die großen Treffer gezogen hat.
    Bist du nur ein Ottonormalo, brauchst du paar Stunden Playtime um dir ein Pack zu kaufen, bei dem wenns blöd läuft 3x75er drin sind....also man merkt doch worauf das letztlich abzielt..
    Das hört sich jetzt zwar ziemlich negativ an, wobei ich trotzdem zugeben muß das ich trotzdem recht süchtig nach dem Modus bin, aber man hätte auch hier halt soviel mehr machen können.

  3. Mal ein Tipp für die, welche große Probleme in der Offenisive haben, bzw. das träge Passspiel nach vorne beklagen: Stellt einfach die Steuerungshilfe beim Passen auf "Semi" oder für die Hardcore-Fetischisten ;-) auf "manuell".
    Ich spiele es mit der Einstellung "Semi". Ist eine gute Mischung, dadurch wird der Spielfluss nach vorne ein gutes Stück dynamischer! Endlich kann man die Kraft des Passes sauber dosieren (Stichwort "Kullerbälle") und die ungewollten "Richtungsänderungen" sind auch vorbei.
    So lassen sich auch Konter fahren, man kann endlich (wie früher in PES) die Steilpässe weit raus durch die Schnittstelle der Abwehrreihe spielen und die Geschwindigkeit eines schnellen Außenbahnflitzers ausspielen.
    Also, unbedingt mal testen, falls noch nicht geschehen. Für mich ne absolute "Befreiung" des Spielflusses! :-)
    Cheers.

  4. darkrockerXX hat geschrieben: Aktuell haben wir aber die Situation, dass sich ein mittelmäßiges Lizenzmonster mit einem mittelmäßigen Konkurrenztitel ohne umfassendes Lizenzpaket duelliert. Dass in so einer Situation FIFA wie ein Gewinner aussieht ist nicht verwunderlich. Spaß macht es mir trotzdem keinen.
    So schauts aus. Ich sehne mich an die Zeit mit ISS/PES 1-6.

  5. FIFA war früher ein größerer Lizenz-Blender als in der aktuellen Phase 2009 - 2012. Dennoch bleibt es ein zähes Gekicke, welches sich zwar PES zum Vorbild nahm, dessen intuitives Gameplay aber nie erreichte. Hätten Konami ihre Reihe nicht verschlimmbessert, dann wären die Gameplay-Fronten klar geklärt.
    Aktuell haben wir aber die Situation, dass sich ein mittelmäßiges Lizenzmonster mit einem mittelmäßigen Konkurrenztitel ohne umfassendes Lizenzpaket duelliert. Dass in so einer Situation FIFA wie ein Gewinner aussieht ist nicht verwunderlich. Spaß macht es mir trotzdem keinen.

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