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Xenoblade Chronicles 3 (Rollenspiel) – Krieg und Frieden und Riesenroboter

Für die einen ist es existenzielles Anime-Welttheater, für die anderen eine überfrachtete Rollenspiel-Monstrosität: Die Xenoblade Chronicles fanden in der Vergangenheit Freunde und Verächter. Teil 3 will nun die Lager einen und appelliert an die gemeinsamen Dogmen der JRPG-Fans: Riesenkampfroboter sind Gott. Und ein bisschen Grind geht immer. Damit kehrt das Finale nicht nur zu den Wurzeln der Chronicles, sondern der gesamten Xeno-Reihe zurück. Ambitioniert. Etwas anderes war aber auch nicht zu erwarten, wenn man die Vorgeschichte betrachtet.

© Monolith Soft / Nintendo

Wie es euch gefällt

Passend zur Progression der Welt wächst auch die Komplexität der Spielmechaniken: Selbst Stunden nach der einführenden Tutorial-Mission überrascht euch Xenoblade 3 noch immer mit weiteren Funktionen. Dabei bemühen sich die Designer spürbar um Didaktik und Komfort. Komplexe Kampfmechaniken dürft ihr euch in einem eigenen Trainingsmodus aneignen. Wird euch die Item-Sammelei für das schlanke Crafting-System von aufrüstbaren Juwelen und Buff-spendender Kochrezepte zu viel, ersetzt ihr fehlende Zutaten einfach mit Nopon-Münzen.

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Treten euch die Moebius-Konsulen nicht als mutierte Riesenbiester gegenüber, verbergen sie sich in modisch fragwürdigen Powersuits. © 4P/Screenshot

Apropos Nopon: Fans der knuddeligen Knödel müssen jetzt stark sein, denn sie beschränken sich in diesem Serienteil auf die NPC-Seitenlinie und fungieren als Händler und Verwalter des Crafting-Systems. Das tritt vor allem bei den an Final Fantasy 15 erinnernden Rastlagern zutage. Diese stellen eine aufgebohrte Version der überall verteilten Schnellreisepunkte dar und erzeugen einen entspannten, gut planbaren Rhythmus aus Aufleveln eurer Party, optionalen Gesprächen und Waschen verdreckter Charaktere (!) sowie dem Erledigen von Nebenmissionen oder dem gezielten Fortsetzen der Haupthandlung. Generell lässt euch Xenoblade Chronicles 3 oft die Wahl, wie bequem ihr euer Spielerlebnis gestalten wollt. Auf Wunsch zuschaltbare Questmarker weisen als leuchtende grüne oder rote Bänder direkt den Weg zum nächsten Story-Ereignis. Drei jederzeit wechselbare Schwierigkeitsgrade verwandeln auf der leichtesten Stufe die meisten Kämpfe zur Schulhofschubserei. Wenn ihr ohnehin eher an der Story und den aufwändig inszenierten Zwischensequenzen interessiert seid, könnt ihr alle Gefechte bis auf die Bosskämpfe komplett automatisch ablaufen lassen.

Riesenkampfroboter marsch!


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Manche Nebenquests schaltet ihr erst frei, wenn ihr unterwegs aufgeschnappte Informationen am Rastlager besprecht. © 4P/Screenshot

Und damit wären wir beim letzten großen Punkt, der viel Licht, aber auch ein bisschen Schatten auf das Trilogie-Finale wirft: dem Kampfsystem in seiner finalen Form. Bis sich dieses Komplexitäts-Biest in ganzer Pracht zeigt, vergehen zig Stunden und viele Mechaniken werden erstmal mit spektakulären Story-Sequenzen eingeleitet. Die grundlegende Organisation eurer sechs Partymitglieder geht dabei schnell von der Hand. Meist genügt es, simple strategische Kommandos wie „Alle auf einen“ zu geben und euch auf einen aktiv gesteuerten Charakter zu konzentrieren. Versagt die automatische Fürsorge eurer Heiler oder veranstaltet ein Boss im Zorn-Modus unvorhergesehenen Kokolores, müsst ihr manchmal flink durch die Spielfiguren wechseln, was gerade bei Massenkämpfen unübersichtlich werden kann.

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Im gemeinsamen Rastlager bespricht die Truppe das weitere Vorgehen. Nach und nach kommen weitere Menüpunkte dazu. © 4P/Screenshot

Auch die Verwandlung in die deutlich stärkeren Ouroborus-Formen läuft komfortabel und flüssig: Ist eines von maximal drei Powerleveln aufgeladen, verschmilzt eure Figur mit ihrem Synchronisations-Partner zum Alphalulatsch und schenkt für eine begrenzte Zeit extra saftigen Schaden aus. Noch mehr Bumms bekommt ihr, wenn all diese Mechaniken in den sogenannten Angriffsketten zusammenkommen: Habt ihr durch erfolgreiche Kampfaktionen eure Kettenleiste aufgeladen, dürft ihr via Knopfdruck die Zeit anhalten und alle Angriffe eurer Party zu irrwitzig starken Combos verketten. Das macht erstmal großen Spaß, weil die perfekte Reihenfolge euren Schadensmultiplikator in übertriebene Höhen schießen und den Switch-Bildschirm in abartigen Effektgewittern explodieren lässt. Diese Animationen könnt ihr aber weder kürzen noch abbrechen – so dass ihr, sobald ihr euch daran sattgesehen habt, irgendwann gelangweilt abwartet, bis der Zinnober vorüber ist und ihr wieder ins gewohnt dynamische Action-Kampfgeschehen einsteigen dürft.